Projekt Wohnzimmer-PC, Teil 3: Software


Es hätte so schön sein können. Das Leben ist aber kein Ponyhof und deshalb ist nicht alles, was man sich so vorstellt auch in der Realität so schönchen. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Der Wohnzimmer PC existiert zwar noch, aber in Betrieb habe ich ihn schon länger nicht mehr.

Letztendlich haben mich doch einige Dinge gestört:

  • Trotz "extra leisem" Lüfter hörte man den PC, wenn er eingeschaltet war. Würde ich so etwas noch einmal planen, so müsste es ein PC ganz ohne Lüfter sein. Da bleibt eigentlich nur noch ein VIA Prozessor, der es auch ohne Lüfter schafft. Der hat dann zwar nur eine geringe Rechenleistung, aber wichtiger für einen solchen PC wäre auch eher die I/O Performance, und dafür ist der Prozessor mehr als ausreichend.
  • Es sieht einfach nach nichts aus, wenn dort ein grauer PC inmitten anderer HiFi-Geräte steht. Man müsste schon einen Design-PC oder ein spezielles HiFi-Gehäuse mit all den verbundenen Nachteilen nehmen. Und deutlich teurer macht's die Sache gleich auch noch.
  • Nicht fernbedienbar. Jedenfalls nicht wirklich. Man musste den PC manuell einschalten, wenn man etwas aufnehmen wollte. Die dBox II und auch mein ausgewählter PC konnten zwar auch ein Wake-On-Lan vor der Aufnahme, aber so richtig zuverlässig war das wieder nicht.
Um wenigstens diese Serie endlich mal abzuschliessen, schreibe ich noch ein paar Zeilen zur eingesetzten Software.

Es lief ein Debian Linux mit aktuellem 2.6er Kernel darauf, der auf den verwendeten Prozessor optimiert war. Dies war zwar nicht notwendig, aber da ich eh einen schlanken Kern verwenden wollte ging's ja gerade in einem Rutsch. Darauf liefen so wenige Prozesse wie möglich um mit der dünnen Speicherausstattung von 128 MB noch eine ungestörte Aufnahme gewährleisten zu können. Das ging allerdings erst, nachdem ich den Speicher auf 256 MB erweitert hatte.

Zuerst versuchte ich die Aufnahme auf einem SMB-Server, weil ich darauf von anderen Rechnern leichter zugreifen konnte. Das lief allerdings in Richtung dBox II nicht so ganz sauber. Es kam sporadisch zu Aussetzern. Also verwendete ich NFS anstatt SMB und die Aussetzer waren Geschichte. So weit, so gut.

Ein paar eigene Skripte hatte ich auch noch laufen. Zum Beispiel überwachte ein Skript periodisch den noch freien Speicher auf der Festplatte und berechnete aus der Differenz zum letzten genommenen Wert die voraussichtliche Aufnahmekapazität. Wenn es dann (einstellbar) unter X Minuten/Stunden waren, wurde eine Nachricht an die dBox gesendet und diese wiederum auf dem Fernseher dargestellt, daß nur noch x Minuten Aufnahmekapazität zur Verfügung standen.

Die Hardware in Gestalt meiner dBox allerdings muckte noch immer, in dem sie sich gelegentlich einfach mal verabschiedete und deshalb nicht wirklich zuverlässig für eine Aufnahme zu gebrauchen war. Ich programmierte also eine aufzunehmende Sendung, ließ die dBox an, kam abends nach Hause und stellte fest, daß das Bild irgendwann tagsüber eingefroren war, der Ton fehlte oder die Box sonst irgendein Problem hatte, das sich durch mehrmaliges Umschalten oder einmaliges Rebooten beheben ließ. Dabei hätte es es so schön sein können. Die dBox selbst kann den Wohnzimmer-PC 5 Minuten vor der Aufnahme per Wake-On-LAN starten (funktioniert meistens sogar, aber leider eben auch nicht immer). Dann kann die Aufnahme laufen und anschließend kann der Wohnzimmer-PC sich selbst zeitgesteuert wieder runterfahren, wenn gewünscht. Man könnte dies sogar mit einer Überwachung des Aufnahmeverzeichnisses bewerkstelligen. Per Cron-Job jede Minute überprüfen, ob sich das Verzeichnis geändert hat oder einfach das letzte Zugriffsdatum der Dateien auswerten und nach einer einstellbaren inaktiven Zeit einen Shutdown durchführen.

In Verbindung mit den oben angeführten Gründen habe ich mich zwischenzeitlich für einen neuen Receiver entschieden, der eine eigene Festplatte mitbringt.

Der Wohnzimmer-PC wird nun entweder ein Entwicklungsserver/Fileserver, er kommt wieder zu Ebay oder er wandert in die Verwandtschaft. In meinem Wohnzimmer wird er jedenfalls keinen Dienst mehr tun.

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